Wie funktioniert die elektronische Geldschöpfung durch die Banken?
Die Geldschöpfung erfolgt durch Kreditvergabe. Bei jeder Vergabe von Kredit entsteht neues kaufkräftiges Geld.
Beispiel: Braucht ein jemand eine Hypothek von 1 Million zur Erstellung von Wohneigentum und klopft mit diesem Anliegen bei einer Bank an, prüft die Bank seriös seine finanziellen Möglichkeiten (Bonität/Kreditwürdigkeit). Spricht nichts dagegen wird dem Kunden 1 Million auf seinem elektronischen Konto gutgeschrieben und damit kann er seine Verpflichtungen/Rechnungen bezahlen (Handwerker, Architekt, usw.). Dazu braucht die Bank jedoch keine Spargelder anderer Bankkunden! Die Bank kann dieses Giralgeld selbst kreieren, weil sie gleichzeitig das (vertragliche) Versprechen des Kreditnehmers auf Rückzahlung innerhalb ihrer Bilanz gleich selbst als Aktiva einträgt, also als Einlage. Die Bank muss gemäss Gesetz (Schweizer Bankenverordnung) einzig eine Mindestreserve von 2.5% an Nationalbankengeld vorweisen, in der Realität sogar allermeist im Nachhinein. Der gleiche Ablauf geschieht auch bei der Finanzierung von spekulativen Geschäften, usw.
Verwirrenderweise verwenden die Banken selbst den Begriff “Multiple Geldschöpfung”, vermitteln dort aber den falschen Eindruck, jede Kreditvergabe sei gegründet auf jeweils vorangegangenen Einzahlungen oder Einlagen (abzüglich der Mindestreserven). Und genau das ist nicht immer der Fall. Die Möglichkeit der Geschäftsbanken, über die Einzahlungen oder Einlagen hinaus Sichtguthaben zu schaffen und sie als Kredite zu vergeben, wird durch die Theorie der multiplen Kreditschöpfung von vornherein ausgeblendet ‐ und damit verschleiert. Und das ist nicht irgend eine Nebensache, sondern etwas ganz Wesentliches: Die zusätzliche Kreditschöpfung der Geschäftsbanken aus dem Nichts – zusätzlich zu dem von der Zentralbank in Umlauf gebrachten Bargeld. Eine falsche und irreführende Theorie der Geldschöpfung bedeutet aber nicht, dass es die Geldschöpfung nicht gibt. Aus einer falschen Theorie der Planetenbewegungen kann ja auch nicht gefolgert werden, dass es die Planetenbewegungen nicht gibt. Während Helmut Creutz [Das Geld Syndrom, Edition Hathor, 2003] und Gero Jenner [Wohlstand und Armut - eine allgemeine Theorie über Eigentum, Geld, Güter und Staat, Metropolis 2010] zu dem Ergebnis gekommen sind, es gebe keine zusätzliche Kreditschöpfung der Geschäftsbanken, behaupte ich [Bernd Senf]: es gibt sie doch. Nur ist sie anders zu begründen als mit der falschen Theorie der multiplen Kreditschöpfung.
Quelle (dieses letzten Abschnitts): Und es gibt sie doch! Die Geldschöpfung der Banken aus dem Nichts, Seite 13-14, Prof. B. Senf, April 2011

Ich verstehe diesen Streit nicht. Auch die Theorie der multiplen Geldschöpfung bringt doch schlussendlich die gleichen Resultate (besonders bei einer Mindestreserve von 2.5%, vgl. dazu Otmar Issing Einführung in die Geldtheorie, 12. Auflage, Seite 60ff) wie die Geldschöpfung aus dem Nichts. Niemand der mit dem Thema vertraut ist bestreitet, dass heute der grösste Teil des Geldes Giralgeld der Geschäftsbanken ist.
Das Thema ist für Laien (ich zähle mich auch dazu) schon schwierig genug zu verstehen. Falls zur Begründung noch Theorien herangezogen werden, die der offiziellen Geldtheorie widersprechen, vergrössert dies die Angriffsfläche massiv und schmälert die Chancen in einer Volksabstimmung.
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Ich habe nun begriffen, dass Bernd Senf genau dasselbe schreibt wie die Lehrbücher. Auf Seite 17 unten steht:
‘Würde man aber das Kreditvolumen ins Verhältnis setzen nur zu den „tatsächlichen Sichteinlagen“, dann würde sich herausstellen, dass es sich um ein Vielfaches handelt, dass es also eine zusätzliche Kreditschöpfung gibt, zusätzlich zu den Bareinlagen oder Bareinzahlungen. Das ist gemeint mit dem Begriff „Giralgeldschöpfung (oder Kreditschöpfung) der Geschäftsbanken aus dem Nichts“.
Die Kritik von Bernd Senf richtet sich daher nicht gegen die Lehrbücher (höchstens gegen deren zu ungenaue Bergriffsdefinitionen) sondern gegen die Darstellung der Banken resp. der beiden Autoren (Helmut Creutz und Gero Jenner).
gem. Seite 18 wird es ganz klar:
Die tatsächlichen Sichteinlagen lassen sich von den vermeintlichen Sichteinlagen
in der Statistik nicht unterscheiden!
Helmut Creutz und Gero Jenner sind in der Begriffsverwirrung, die sie selbst nicht zu
vertreten haben, stecken geblieben wie in einem Labyrinth. Würde eine begriffliche
Trennung in „tatsächliche Sichteinlagen“ und „vermeintliche Sichteinlagen“ (= zusätzlich
geschaffene Sichtguthaben“) vollzogen und gesetzlich durchgesetzt, würde mit einem
Mal das bisher verschleierte Phänomen der zusätzlichen Giralgeldschöpfung bzw. der
Kreditschöpfung der Geschäftsbanken in aller Klarheit auch in den Statistiken in
Erscheinung treten.