Lösung
Drei zentrale Punkte:
Wiederherstellung des staatlichen Geldregals
Über 85% der kaufkräftigen Geldmenge besteht heute nicht aus Geld, sondern aus Guthaben bei Banken, die wie Geld benutzt werden. Der aktuelle Verfassungsartikel, in dem nur Münzen und Banknoten erwähnt sind, ist nicht mehr zeitgemäss. Das alleinige Recht des Bundes zur Ausgabe von Geld muss auch elektronisches Geld umfassen.
Girokonten werden separate Geldkonten
Die von uns heute als elektronisches Geld verwendeten Bankguthaben müssen durch echtes elektronisches Geld abgelöst werden. In Zukunft soll man nur noch mit Geld bezahlen können, nicht mehr mit Guthaben. Um das zu gewährleisten muss klar zwischen Geldkonten (die elektronisches Geld enthalten, mit dem bezahlt werden kann) und Sparkonten (die Guthaben enthalten, mit dem nicht bezahlt werden kann) unterschieden werden.
Inumlaufbringung neuen Geldes durch Seigniorage
Heute wird neues Geld beinahe ausschliesslich per Kredit in Umlauf gebracht. Von der Nationalbank per Kredit an die Banken und von den Banken per Kredit an Privatpersonen, Unternehmen und den Staat. Mit jedem Kredit steigt die gesamtwirtschaftliche Verschuldung. In Zukunft soll neues Geld hauptsächlich als Geldschöpfungsgewinn (Seigniorage) direkt dem Gemeinwesen zufliessen. Wenn Bund und Kantone neu geschaffenes Geld in Umlauf bringen indem sie damit einen Teil ihrer Ausgaben bezahlen, entsteht dadurch keine zusätzliche Verschuldung.
Eine Möglichkeit, wie diese Änderungen in der Verfassung (per Volksinitiative) verankert werden könnten, zeigt unser Entwurf für eine Geld- und Finanzmarktverfassung. (Ein Entwurf eines Initiativtextes mit ausführlichen Erläuterungen).

Wenn Bund und Kantone neu geschaffenes Geld in Umlauf bringen indem sie damit einen Teil ihrer Ausgaben bezahlen, entsteht dadurch keine zusätzliche Verschuldung. – Das solltet Ihr fett markieren!
Im letzten Textabschnitt heißt es “Heute wird neues Geld beinahe ausschliesslich per Kredit in Umlauf gebracht. Von der Nationalbank per Kredit an die Banken und von den Banken per Kredit an Unternehmen und Privatpersonen”. Hier wäre noch wichtig zu ergänzen: “…und an den Staat / die öffentliche Hand / das Gemeinwesen”.
Ihr Kommentar ist richtig. Der Text wurde entsprechend angepasst und lautet nun:
“Heute wird neues Geld beinahe ausschliesslich per Kredit in Umlauf gebracht. Von der Nationalbank per Kredit an die Banken und von den Banken per Kredit an Privatpersonen, Unternehmen und den Staat.”.
Was ich noch nicht ganz verstehe bzw. was daraus gemacht werden kann ist;
Wenn das Giralgeld irgendwann durch die SNB’s dieser Welt kontrolliert wird und Kredite und hier speziell die Spekulative Tätigkeit nur noch durch Einlagen in Anlagekonten getätigt werden können, was kann alles mit dem Geld in den Anlagekonten gemacht werden und welche Konsequenzen kann das auf “den Rest” der Gesellschaft haben?
Wird es nicht so wie heute dazu kommen das alles Kapital welches nicht für Investitionen in “die Realwirtschaft und dort zum Aufbau von Produktionsstandorten und/oder Dienstleistungen etc.” verwendet wird genau wie heute nur für Aktivitäten im Casinobetrieb verwendet wird?
Wie kann der Regelbetrieb des Geldes der für die meisten Menschen wichtig ist vom Casinobetrieb getrennt bzw. geschützt werden? Ich gehe davon aus das es bald genügend Listigkeiten und Schlupflöcher geben wird bzw. diese ausgenutzt werden. Ich denke hier primär an die Spekulativen Kapitaltransaktion welche den Kredit-Investitions-Bedarf der Realwirtschaft übersteigen und zusätzlich noch an die zur Regel gewordenen Rendite- und Profitmaximierungen. Ist der Regelbetrieb oder anders die Realwirtschaft durch die Idee der Monetative geschützt, lässt sich das komplett trennen oder darf man nach wie vor ganze Unternehmen und deren Arbeiter durch simple Renditesteigerungen auspressen?
Irgendwie habe ich den Eindruck das die einen plötzlich vom funktionieren der Monetative mehr abhängig sind als die anderen. Blos wer wird das sein… und welche Kontroll und Korrekturmöglichkeiten bzw. Rechte stehen den beiden Seiten zur Verfügung?
Ich hoffe ich hab mich da verständlich ausgedrückt…
Hallo Uwe,
deine Frage nach “was kann alles mit dem Geld in den Anlagenkonten gemacht werden” kann ich wie folgt beantworten:
Nach einer Vollgeldreform wird es Geldkonten und eben Anlagekonten geben.
Zunächst kurz zu den Geldkonten:
Geldkonten bzw. Transaktionskonten in einem Vollgeldsystem (z.B. für den täglichen bargeldlosen Zahlugsverkehr) sind Geldguthaben, welche vollständig im Besitz des Kontoinhabers sind. Diese Konten werden ausserhalb der Bankenbilanz geführt. Bei einem Konkurs fallen Sie nicht in die Konkursmasse, gehen also für den Kunden nicht verloren. Sie entsprechen einem physischem Banksafe. (Das heutige Giralgeld dagegen ist bloss ein Versprechen auf Bargeld. Im Falle eines Bank-Konkurses kann es für Kunden im schlimmsten Fall zu einem Totalvelust kommen).
Nun zu den Anlagekonten:
Beschliesst jemand sein Geld anzulegen, um damit einen Zins oder einen Gewinn zu erwirtschaften (lassen), so geht er ein (möglicherweise unbekanntes) Risiko ein. Dieses Risiko wird durch eine Vollgeldreform nicht berührt und soll auch nicht berührt werden (wieso auch). Man könnte dies auch als unternehmerisches Risiko bezeichnen. Typischerweise gilt der alte Grundsatz: je höher das Risiko, desto höher kann der Gewinn sein (aber auch der Verlust, bis hin zu einem Totalverlust des Einsatzes). Dieses Prinzip wird hier nicht angefasst. Wer sein Geld in welche Investitionen (Realwirtschaft) oder Spekulationen (“Casino”) steckt und ob und wie man hier eine Regulierung für welchen Bereich fassen sollte ist nicht Thema der Monetative.
Was aber gesteuert wird, ist die Geldmenge. Und damit kann man einige Exzesse eindämmen (die Vollgeldreform bringt noch weitere Vorteile mit sich…)
Die Geldmenge wird nicht mehr prozyklisch durch Geschäftsbanken nach eigenem Gutdünken erzeugt (Boom: im Übermass, Flaute: Geldknappheit), sondern eben durch die unabhänge Monetative. Es ist also davon auszugehen, dass in einem Vollgeldsystem die Spekulationsblasen nicht oder nicht in diesem Übermass entstehen werden. Und damit wäre schon sehr viel erreicht.
Zusammengefasst (Vollgeldreform): Wer sein Geld sicher haben will, bleibt auf dem Geldkonto (ohne Zins). Wer einen Zins haben will, der sucht sich das passende Finanzprodukt aus (Risiko). Die Realwirtschaft operiert auf sicheren Geldkonten mit sicherem Geld. Die Finanzwirtschaft arbeitet mit der kontrollierten Geldmenge, welche die Monetative geschaffen hat (und nicht beliebig mehr). Die Finanzwirtschaft wirbt Kundengelder gegen Guthabenzins ein (=Einlagen) und vergibt Kredite an die Realwirtschaft gegen Zins (Zinsdifferenzgeschäft der Banken).
Grüsse
Harald
Hallo Uwe,
Ja, wenn die Leute nach der Vollgeldreform ihr Geld (ver)spekulieren wollen, können sie das natürlich weiterhin – mit denselben Folgen.
ABER es sind dann „bewusste“ und gezielte Teilnehmer dieser Spekulation, welche ihr Geld oder dasjenige das sie sich gegen Darlehen (Kredit) ausleihen konnten einsetzen.
Das heisst auch in einer Vollgeldreform braucht es weitere Reformen…die Vollgeldreform allein verhindert die Spekulation nicht, dazu müssten solche „ausufernden Spiele“ verboten werden….wie zum Beispiel Pyramidenspiele (Kettenbriefe-Systeme) ja auch verboten sind oder das Pokerspiel nur in “abgegrenter/geschützer” Umgebung (eines Casinos) erlaubt ist !
Aber in der Vollgeldreform ist es zumindest (wieder) so, dass die „Spekulanten“ sich explizit dafür entscheiden müssen mit IHREM Geld ins Casino zu gehen. HEUTE gehen die Banken mit unserem Geld (ohne unser explizites Einverständnis!) ins Casino bzw. mit ihrem selbstgemachten Geld und bei (zu) grossem Verlust müssen wir als Bürger/Staat einspringen….Das ist unhaltbar!
Die Vollgeldreform stoppt somit die Spekulations-EXZESSE ! Die Vollgeldreform stoppt nicht die bereits seit hunderten von Jahren möglichen Spekulationen, aber die heutigen EXZESSE (welche auch “Unbeteiligte” schädigen). Die EXZESSE ERHALTEN durch die heutige unbegrenzte private Geldschöpfung ihren „Treibstoff“ und somit auch die Möglichkeit der Eigengeschäfte der Banken , weil sie eigenes Geld “drucken” können und nicht (oder nur punktuell) auf Sparer angewiesen sind, welche ihnen das Geld bewusst oder unbewusst zur Verfügung stellen. Die heutigen Exzesse werden durch eine Vollgeldreform nachweislich werden gemindert….schon ein wichtiger und dringlicher und unterstützenswerter Schritt!
Hier werden einfach Fragen/Kommentare gelöscht bzw. nicht veröffentlicht? Irgendwie nicht so souverän… Ihr seid ja die Spezialisten die Rede und Antwort geben können…. sollten.
Hallo Uwe,
Wir bitten um Verständnis für die ferienbedingten Verzögerungen. (Die Kommentare werden intern nach der “Sichtung” freigegeben).
Wir melden uns bestimmt noch diese Woche.
Freundliche Grüsse,
Daniel Meier
PS: Wie du siehst, wären wir immernoch stark angewiesen auf (d)eine Mitarbeit betreffend Homepage-Betreuung…
(gemäss deinem Mail-Kontakt Mitte 2011 mit uns und siehe auch unseren Neujahrs-Aufruf zur Unterstützung)
Ich finde das alles sehr interessant, vielen Dank!
Wenn das Geld reformiert ist, die Banken keine (Giral)Geldschöpfung mehr betreiben, wird das nicht auch die gesamte Wirtschaft dermasen schwächen, dass wieder alles im argen läge? Es wäre in zukunft viel weniger Geld da, welches ausgegeben wird, da die banken viel wengier kredite vergeben könnten!? Und, dass das bestehende Geld viel schneller zirkuliert um das auszugleichen geht ja auch nicht!?
Hallo Christian,
vielen Dank für deinen Kommentar. Deine Befürchtungen liegen auf der Hand: Wenn Banken nicht mehr selber Geld erzeugen können und es bei Kreditvergabe vorgängig besitzen müssen, könnte man denken, dass es zu einer Verknappung des Geldes kommt – mitsamt unerwünschten Zinsausschlägen. Dass es nach einer Vollgeldreform so kommen wird, ist nicht zu befürchten.
1. Die umlaufende Geldmenge wird durch eine Vollgeldreform nicht geändert: Schulden bleiben Schulden, Guthaben bleiben Guthaben.
2. Spargelder sind in einem Vollgeldsystem keine stillgelegten Giralgelder mehr, sondern stehen den Banken für Kredite zur Verfügung.
3. Neues zusätzliches Geld wird von der regierungsunabhängigen SNB/Monetative in der passenden Grössenordnung zins- und schuldenfrei zur Verfügung gestellt.
Über die erstmalige Verwendung dieses Geldes bestimmt somit die jeweils gewählte Regierung: öffentliche Projekte, Schuldentilgung, Steuersenkungen, Bürgerdividenden. In jedem Fall landet das Geld letztendlich ja wieder bei einer Bank, wo es zu einem bestimmten Teil von Sparern wieder angelegt wird. Dabei können die Sparer bestimmen in welche Projekte das Geld verliehen bzw. investiert werden soll. Also steht wieder “frisches” Geld für Kredite zur Verfügung.
Damit die Banken dieses Zinsdifferenzgeschäft tätigen können, müssen sie Spargelder einwerben und Kreditnehmer mit Bonität für sich gewinnen. Sie stehen dabei im Wettbewerb mit anderen Banken und Finanzdienstleister, so dass der Markt hier ein vernünftiges Preisgefüge entstehen lassen wird.
Summa Summarum: Das Geld kommt und bleibt in Zirkulation – Banken werden also angemessen Kredite vergeben können, eine Geldknappheit ist nicht zu erwarten.
Die unabhängige SNB/Monetative hat zudem die Möglichkeit sehr schnell zu reagieren und bei aufkommender Knappheit neues zusätzliches Geld schuld- und zinsfrei zur Verfügung zu stellen oder allenfalls zeitlich befristet den Banken ein an Vorgaben geknüpftes Darlehen zu geben (z.Bsp. Leistungsauftrag zur gezielten Kreditvergabe an die Realwirtschaft).
Allgemein ist bei der Kreditvergabe zu unterscheiden zwischen realwirtschafts-bezogene Kredite und geldanlage-bezogene Kredite. Auf Letztere können wir getrost verzichten, denn genau diese haben unsere Geldmenge – befeuert durch die Gelderzeugung der Banken – so massiv ansteigen lassen.
Entsprechend müsste man auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes differenziert nach Finanzwirtschaft und Realwirtschaft analysieren.
Ich hoffe ich konnte deine Fragen verständlich beantworten.
Bei Rückfragen kannst du hier einen Kommentar hinterlassen – ich werde mich bemühen alle offenen Punkte zu klären.
Moin moin
Ihn eine ähnliche Richtung gehen auch meine Bedenken hierzu. Würde das Vollgeld die Kreditgabe an Risikounternehmen wie Start-Ups nicht extrem teuer machen? Das Geld, welches die Banken ja für Kredite ausgeben könnten, wäre danach limitiert und somit würde vermutlich eher in sichere Gefilde (Rohstoffe, Agrarprodukte) investiert…
Grüsse
“Wenn Bund und Kantone neu geschaffenes Geld in Umlauf bringen indem sie damit einen Teil ihrer Ausgaben bezahlen, entsteht dadurch keine zusätzliche Verschuldung.”
Frage: Heizt das nicht die Inflation an? Falls ja, wäre dies dann in eurem Sinn?! Ich denke nicht, oder?
Besten Dank für ihr Nachfragen.
Es entsteht keine zusätzliche Verschuldung, weil das zusätzlich geschöpfte Geld ja zins- und schuldfrei in Umlauf gebracht wird. Auch wird durch die Monetative (SNB) nur soviel zusätzliches Geld in Umlauf gebracht, wie es dem Wirtschaftswachstum entspricht, so das Wirtschaftsleistung und Geldmenge 1:1 übereinstimmen. Das heisst zusätzliches Geld wird nur geschöpft, wenn die Wirtschaft wächst. Ohne (prognostiziertes) Wirtschaftswachstum wird somit auch kein zusätzliches Geld in Umlauf gebracht. Der Bund und die Kantone können sich kein neues Geld für ihre Ausgaben “wünschen”….die unabhängige Monetative entscheidet über eine Geldmengenausweitung im Gesamtinteresse des Landes und aufgrund der erwarteten Wirtschaftsleistung. Eine Inflation von ca. 1-2% soll im Gegensatz zu heute nicht mehr als Vorgabe gelten.
Ich habe mich gestern durch den Verfassungstextentwurf gelesen. Ich finde in Grundsätzlich gut, habe aber noch Fragen:
Welche Instrumente stehen der Monetative zur Verfügung um die Geldmenge zu reduzieren?
Was passiert wenn andere Länder CHF-Reserven bilden und diese auf (sicheren) Girokonten blockieren, quasi aus dem Umlauf nehmen?
Wie wird mit unausgeglichenen Aussenhandelsbilanzen verfahren?
Danke im Voraus
Besten Dank für Ihr Interesse und die konkreten Fragestellungen. Aufgrund von Ferienabwesenheiten melden wir uns gerne Ende nächste Woche und werden in diesem Zusammenhang unsere FAQ (www.vollgeld.ch/faq) ergänzen. Bei Bedarf geben wir auch gerne vorab telefonische Auskünfte: 079 773 34 50 (MoMo-Telefon)